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“Schaaatz ist das von dir?…”weg

Ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal vorstellen.
Mein Name ist Dotty und ich bin die Frau eines bekennenden Modelbauers.
Als ich meinen Mann kennenlernte, dachte ich noch:“
Wie toll, er hat ein Hobby und er weiß etwas mit sich anzufangen.
Er ist kreativ und man hat immer etwas zum Geburtstag und Weihnachten, was man ihm schenken kann.“
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass es bei ihm nicht einfach mit einem neuen Baukasten getan ist, den man am Schreibtisch zusammenbastelt. Neeeeeiiiiiiin, weit gefehlt.
Er ist eher einer von der chaotisch-kreativen Sorte, die einfach alles gebrauchen können, um es irgendwo zu vertüddeln.
Sei es auch noch so klein oder unscheinbar. Jeder Flaschenverschluss könnte die Halterung für irgendwas werden.
Die Köpfe von Handpuppen eignen sich hervorragend als Piloten. Drähte, Gummis oder Bändel werden g esammelt und gehortet.
Man könnte sie ja irgendwann mal brauchen. Witzig, das kenn ich sonst nur von Kleinkindern.
Jetzt hat mein Mann seit 2 Jahren seine eigene, große Werkstatt.
Wir bewohnen die obere Etage eines großen Mietshauses und haben zusätzlich noch einen großen Trockenraum übernommen.
Der größte Traum meines Mannes erfüllte sich und er bekam die langersehnte Werkstatt.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und kann das Hobby, was teilweise auch der Beruf meines Mannes war, akzeptieren, wenn auch mit einigen Einschränkungen.
Ich werde mich zum Beispiel nie daran gewöhnen können, dass man barfuß durch die Wohnung schlendert und plötzlich irgendwas am Fuß spürt. Man fragt sich: „Was mag das wohl sein?“, knibbelt sich das Teil vom Fuß und erkennt es auf Anhieb gar nicht. Dann aber wird einem klar: “Ach, ein Streifen Klebeband! Nasuuuper. Wieso liegt das hier? Weit weg von der Werkstatt? Und warum schmeißt man das nicht sofort weg? In der Werkstatt? Oder man tritt in diese winzig kleinen Schräubchen, die man mit bloßem Auge kaum erkennen kann.
Passiert das eigentlich nur Frauen, die mit Modellbauern verheiratet sind? Ich dachte ja, mit dem Erwerb der Werkstatt hätte sich das Thema erledigt und alle Kleinteile blieben dort, wo sie hin gehören, aber man kann sich auch irren. Mir ist sowieso völlig schleierhaft, wie man mit Händen, die die Ausmaße von Bratpfannen haben, diese kleinen Dinger mühelos mit einem Schraubendreher einschrauben kann. Ich habe das nur mit lautem Fluchen und frühzeitiger Kapitulation geschafft, als ich es mal versucht habe.
Für dieses Problem habe ich aber jetzt eine Lösung gefunden. Ich habe meinem Mann, der das einmalige Talent hat, seine Sachen in der ganzen Wohnung, ach was, auf der kompletten Etage zu verteilen, eine Kiste zugeteilt. Da schmeiße ich alles rein, was ihm gehört und wenn sie voll ist, stelle ich sie auf seinen Schreibtisch. Was ab dann damit passiert, ist nicht mehr mein Bier. Dann geht dieser Prozess von vorne los. Damit kann ich gut leben.
Die positive Seite ist aber, dass Modellbauer so gut wie alles im Haushalt reparieren können, wenn auch manchmal mit unkonventionellen Mitteln. Es ist nicht schlecht, die Frau eines Modellbauers zu sein, denn Modellbau ist halt doch mehr, als nur Stöckchen zusammenkleben.
Aber was soll ́s: Es gibt doch schlimmeres, oder?
Fortsetzung folgt…..